Märchenwelt 2.0 Be your own Hero - Für eine bunte Welt
- Team

- 16. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 5 Tagen
Wie Theaterpädagogik politische- und kulturelle Bildung, Inklusion, Teilhabe und
Haltung verbindet - Ein Text von Jenny Holzer

In einer Zeit, in der kulturelle Bildung oft als „schönes Beiwerk“ verstanden wird, zeigt
das Projekt „Be your own Hero“ ganz konkret, was passiert, wenn wir Kindern Raum geben, ihre Stimme und Kreativität ernst zu nehmen. Dank der Inklusiven Akademie Würzburg, wurde dieses theaterpädagogische Projekt an der Mönchbergschule Würzburg realisiert.

Mit 18 Kindern der ersten bis vierten Klasse wurde das Projekt als Montagsnachmittags Theater-AG weitergeführt. Von Anfang an ging es wild und quirlig her. Was
von Anfang an klar war: Gemeinschaft entsteht durch Spiel, Ausdruck und
gemeinsame Rituale, nicht durch Vorgaben.

Wir entwickelten eigene Gruppenrituale, stärkten gegenseitige Motivation und
entdeckten mit Stimme, Mimik und Körper neue Ausdrucksmöglichkeiten.

VOb als „Klobürsten-Monster“, dem immer schlecht gelaunten Opa bis hin zum
„SuperCatDanýlo“, all diese Verwandlungen waren spielerische Wege und Zugänge
um sich auszuprobieren.


Anstatt klassische Heldenfiguren nur zu benennen, gingen die Kinder in
Improvisationen und szenischen Erkundungen der Frage nach:
Was macht einen Helden wirklich aus? Helden aus Märchen und Filmen wurden
ebenso thematisiert wie Alltagsheld:innen. Freundschaft, Mut, Mitgefühl und
Lebensfreude waren häufig genannte und bespielte Begriffe der Kinder.
Sie sammelten, reflektierten und gestalteten ihre eigenen „Heldenmomente“
und entwickelten daraus persönliche Heldenpersönlichkeiten. Das Ergebnis war kein
vorgegebenes Stück, sondern ein komplett aus Kinderfantasie entstandenes
Theaterstück, dass aus unzählig vielen Ideen zusammengebastelt wurde.
Ein Theaterstück über unsere Welt und unsere Verantwortung würde ich es kurz
zusammenfassen. „Ein Held übernimmt Verantwortung und hilft anderen, auch
wenn er keinen Vorteil davon hat“, um eines der Kinder zu zitieren.
Unser Stück „Be your own Hero - Für eine bunte Welt“, erzählt von einer Welt in dem
Erwachsenen ihre Farben verloren haben. Sie sind farblos, gestresst, lebensmüde,
uninteressiert an allem und ohne Fantasie. Nur die Kinder merken, dass etwas fehlt:
Mut, Kreativität, Freundschaft, Lebensfreude.

Gemeinsam stellen sie sich dem Schattenmann, unserem Bösewicht!
Dieser steht für Angst, Stress und gesellschaftliche Zwänge.
Sie besiegen den Schattenmann und geben den Erwachsenen ihre Farben zurück.
Die zentrale Botschaft der Nachwuchsschauspieler:innen ist ebenso einfach wie
politisch:
„Jeder Mensch kann ein Held sein, wenn wir mutig wir selbst sind und
füreinander das sind.“




Das ist mein Verständnis von Theaterpädagogik und Kultureller Bildung als
demokratische Praxis! Die Inklusive Akademie ermöglicht genau das, durch Projekte
wie „Märchenwelt 2.0" und zahlreiche weitere Angebote! Durch diese barrierearmen
Kulturangebote wird Teilhabe auch Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen unabhängig von Herkunft, finanziellen Mittel oder biografischen Hürden ermöglicht, die sonst häufig erschwert Zugang zu Kunst und Kultur erhalten.
Doch kulturelle Teilhabe ist kein Selbstläufer. Sie braucht Zeit, Ressourcen, Geld und
politisches Bewusstsein. Gerade in inklusiven Settings zeigt sich, wie viel Potenzial in
diesem Ansatz steckt und wie sehr es gefördert werden muss, damit nicht nur
einzelne Projekte, sondern gesellschaftliche Beteiligung für alle Realität wird. Die
Inklusive Akademie zeigt, wie ein solcher Ansatz aussehen kann: niedrigschwellig,
professionell, künstlerisch und gesellschaftlich relevant.
Ich möchte mich herzlichst für das Engagement von Isabel Gräf der
Projektleitung der Inklusiven Akademie bedanken! Danke für deine großartige
Arbeit, Herzenswärme und auch bemühen uns Künstler:innen fair zu bezahlen und
stets nach Fördermöglichkeiten zu suchen, um weitere Zugänge für die
heranwachsenden aus Würzburg zu schaffen! Danke auch Diana Bernatska, die
stets an meiner Seite war und das Projekt mit mir begleitet hat!
und an die tollen Kolleg:innen der Mönchbergschule.
Ich danke meinen unvergesslichen 18 Superheld:innen von ganzem Herzen. Es war
eine tolle Heldenreise mit euch. Bleibt bitte so wild, frech und wunderbar! Bis bald ihr
Fantasievögel. :-*
Und an alle, die Kulturpolitik gestalten, möchte ich schlussendlich sagen:
Stärkt inklusive und kulturelle Bildungsräume! Denn eine bunte, offene Gesellschaft
entsteht nicht von selbst. Sie wird gespielt, erprobt, verhandelt auf der Bühne, in
offenen Räumen und im gemeinsamen Tun. Denn dort, wo Kinder erfahren, dass ihre
Stimme gehört wird, wächst eine offene, vielfältige und demokratische Gesellschaft
und diese zu bewahren ist unser aller Aufgabe.
Bis Bald
Jenny Holzer
Theaterpädagogin & Schauspielerin






Fotos: Diana Bernatska und Isabel Gräf


